Notes from Therese Lindenberg’s diary, 28 May – 9 June 1950, Austria

During the Nazi period the Viennese writer and musician Therese Lindenberg (born in 1892) and her family suffered persecution and repressive measures: due to her husband’s Jewish origin the couple was moved into several so called “Sammelwohnungen” – “concentration” flats where Jews were herded together – and Ignaz Lindenberg was in continuous danger of being deported. Despite all these experience and pressure, Therese Lindenberg refused divorce. Their daughter Mona Lisa Lindenberg (born in 1915) fled to Manila in early October 1938 where she has since lived. After years of uncertainty Therese Lindenberg heard from her daughter, who had got married in the meantime, only in February 1946. A reunion remained impossible until November 1950. Therese and Ignaz Lindenberg could return into their own flat with garden in June 1945. In a diary entry from June 1950 Therese Lindenberg expressed her gratitude that she and her family survived the Holocaust.

The diary entries from that time are published, historically contextualised and annotated: Christa Hämmerle and Li Gerhalter (Eds.), Apokalyptische Jahre. Die Tagebücher der Therese Lindenberg 1938 bis 1946.Unter Mitarbeit von Ingrid Brommer und Christine Karner, Böhlau Verlag Köln/Weimar/Wien 2010.

Therese Lindenberg’s diary contains 60 volumes from 1909 until 1980. They are held in the Sammlung Frauennachlässe, SFN (Collection of Women’s Personal Papers) at the University of Vienna (SFN NL 03).

Sonntag 28. Mai [1950]
Ich ordne Briefe, Bilder und Ausschnitte. Und sehe zum Apfelbaum – und immer, immer zum Himmel.

Mittwoch, 7. Juni im Garten. 9 h Früh
Ernst und Mimi kommen!
23 herrliche, herrliche Tage. Der Himmel, der Duft! Wie immer: Grenzenlose Dankbarkeit. – Ein Buch von [Braun] gelesen. Lucy Moore. – Das Klosterleben [?] – aufschlußreich. Die wirkliche Erlangung der Demut. Wie weit ist noch mein Weg dahin. Und doch – ganz folgerichtig: aufbäumen und dem folgen ist der Irrweg. Ich war sehr erschüttert. – Wieder Bilder von den Kindern [der Tochter und ihrer Familie auf Manila]. Mittwoch 31. waren die Damen da. Hilda, Emmy, Maria, Lili. – Der Tag war schön, konnten auch im Garten sitzen. Jause im Zimmer. – Hildas Verweis. Wasser vergessen für Lili. Das „Sägen“ des Gugelhupfes . – Lernen, nicht beleidigt sein, sagte ich zu mir. Du hast viel zu danken, immer und immer zu danken. – Ja. Freitag bei Süß, verhängter Himmel zu Lisi. Erstes Tor. Dann den Weg durch die Schönbrunner Allee. Wie immer – Erinnerungen – Herzweh – bei Lisi. Der Sohn. Noch immer nicht genug Lehren empfangen? Herr! – Die neue Lehranstalt für Gartenbau!!! – Mein Herz bebte. Ich wage nicht, es auszudenken! [Die Tochter der Schreiberin hatte Botanik studiert.] Doch – wenn es sei soll – dann wird es sein! Doch ich wage es – zu bitten! – Dann – Tivoli [eine Gartensiedlung am Wiener Stadtrand]. Vor 35 34 Jahren bin ich da gesessen, alltäglich fast. – ich sah zu den Bäumen, den sanft bedeckten Himmel! – Dann zurück zu Lisi wegen Papier. Luftpost. – Ohne Erfolg. Wieder durch Tivoli – und heim. – Es war so schön gewesen. Und diese Tage jetzt. Ernst. Gestern. Angeli [vermutlich eine Badeanstalt in Wien]. – besonders gut. Dank. Mein Bitten war sehr intensiv gewesen. Vorgestern Redlich. Vorher Carl. Schicksalhafte Selbstsucht. Bei Redlich – Dr. D. Ratschlag. – Die Vöglein sehen mich immer an. Wer ist es? – Das Vöglein. Goldhäubchen? – Habe ich. Wer ist es? – Heute zu Fr. Dr. – […]

Freitag, 9. Juni 1950. Im Garten.
Endlich ein freier Tag! Es ist sehr heiß. Brief vom Kind [der Tochter in Manila]. Muttertagsbrief. Dienstag war Ernst da gewesen. Allein. Sehr beeindruckt. Und immer der Dankhymnus! Die Vöglein, die Rosen – dahinter die Lebensintensität. – Wahrlich, mir ist es oft, als lächelte Er [Gott] mir zu, ja, als freute Er sich meiner! Tränen der Freude rinnen mir übers Angesicht, wenn ich solches spüre! – Wenn ich nur dem Manne mehr Frieden und Freude injizieren könnte! Doch auch das wird mir gewährt werden, wenn ich nur richtig mein Herz auftue!

Therese Lindenberg, AustriaTherese Lindenberg, Austria


Why did we choose extracts from the first week of June 1950?

In May 1950, the then French Foreign Minister Robert Schuman made a programmatic statement concerning the pooling of French and German coal and steel production. The so-called Schuman Plan proved to be the most important basis for the process of European integration, which enables us today to quite naturally work together on a European level.