Notes from Marianne Hütter’s diary, June 1950, Austria

Before starting a family, Marianne Hütter from Lower Austria (born in 1902) had worked as a teacher. In 1928 she got married to a serviceman; in 1934 her daughter was born. From the late 1930s the family lived in Eggenburg, a small town in the northern part of Lower Austria. Marianne Hütter worked as a writer and published several hundreds of plays for children. She started keeping a diary in April 1932, from September 1933 as a “mother’s diary“ for her daughter, until November 1951. Most parts of it are in shorthand, the transcript has been prepared by her daughter Gertrude Dober. In June 1950, Marianne Hütter still mentioned the use of ration cards, however, the economic situation in post-war Austria had been improved significantly by that time. This is also shown by the fact that Marianne and her husband were having building works done at their home in 1950.
Marianne Hütter’s diary contains 14 short volumes from 1934 until 1951. They are held in the Sammlung Frauennachlässe, SFN (Collection of Women’s Personal Papers) at the University of Vienna (SFN NL 83 I).

Juni 1950
Es ist ein Jammer, dass ich gar nicht mehr zum Schreiben komm. [Der letzte Eintrag war am 9. September 1949 verfasst worden.] Wunder ist es ja keines, denn wir haben wirklich [ein Zubau zum Haus] gebaut und da kommt man vor lauter Arbeiter nicht zum Sitzen. Meinem Fuß hat es ja nicht besonders gut getan, aber es hat halt sein müssen. Jetzt sind wir froh, daß wir mehr Platz haben. Und gleich von hinten in den Garten können. Die Fenster waren so hoch, dass man sie sie schlecht aufmachen konnte. Aber zu Ostern hat es bei uns noch furchtbar ausgeschaut. Im Garten und in der Wohnung. Dabei hatte ich die Maurer zum Essen, alle Tage 10–12 Personen. Das hat auch was gekostet. Gestern haben wir die Rechnung von Baumeister gezahlt, 6.540 S, das Material hab ich aber immer selbst gleich gekauft und das war schrecklich teuer. Besonders das Eisen, 3,20 S 1 kg. Über den Keller Traversen und auch auf der Decke. Um alles hab ich mich selbst umschauen müssen, denn sonst sind die Maurer da gestanden und es war nichts da. Ich werde hier einige Rechnungen aufschreiben.

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Weil ich voriges Jahr über die Preise nicht geschrieben hab: Der Zucker ist schon billiger geworden, der kostet nur mehr 15 S. Dafür die Schuhe teurer, unter 200 S gibt es keine guten. Es gibt noch immer [Lebensmittel]Karten, aber kein Mensch fragt mehr danach. Nur Zucker ist auf Karten noch etwas billiger, sonst kostet er 7.40. Fleisch war eine Zeitlang um Karten um 1–2 S das kg billiger, jetzt aber nehmen sie keine Karten mehr.
Milch und Butter kann man auch schon haben, so viel man will, nur formhalber fragen sie noch nach der Karte. Kirschen haben am Anfang 6 S gekostet, später 3,60. Ich hab aber keine verkauft, ich kann jetzt gar nichts mehr selbst pflücken, wegen meinem Fuß, das macht das Mädchen [die Hausangestellte] und das meiste die Frau P.

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ration cards, Austria 1950


Why did we choose extracts from the first week of June 1950?

In May 1950, the then French Foreign Minister Robert Schuman made a programmatic statement concerning the pooling of French and German coal and steel production. The so-called Schuman Plan proved to be the most important basis for the process of European integration, which enables us today to quite naturally work together on a European level.